Lord Ralf Dahrendorf

1929 in Hamburg als Sohn des SPD-Reichstagsabgeordneten Gustav Dahrendorf geboren, war Ralf Dahrendorf bereits als Schüler politisch engagiert und wurde 1944 wegen der Beteiligung an einer illegalen Schülervereinigung inhaftiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg studierte er in Hamburg Philosophie und klassische Philologie und promovierte zum Dr. phil. Er setzte seine Studien an der London School of Economics fort, die er mit dem zweiten Doktortitel (Ph.D.) beendete. Anschließend arbeitete er als Assistent an der Universität Saarbrücken, habilitierte sich dort 1957 und erhielt 1958 einen Ruf als Professor für Soziologie nach Hamburg. Ab 1960 lehrte er an verschiedenen Universitäten in Deutschland. Neben der akademischen Laufbahn war er als Politiker, Journalist und Ökonom auf vielfältige Weise engagiert. 1968 wurde er für die FDP zunächst in den Landtag von Baden-Württemberg, 1969 in den Deutschen Bundestag gewählt. Kurze Zeit als Parlamentarischer Staatssekretär im Auswärtigen Amt tätig, wechselte er 1970 zur Europäischen Kommission nach Brüssel. Nach seinem Ausscheiden aus diesem Amt war Dahrendorf zwischen 1974 und 1984 Rektor der London School of Economics und übernahm 1982 zudem den Vorsitz der Friedrich-Naumann-Stiftung. Er trat den Vorsitz jedoch ab, als er 1987 zum Rektor am St. Antony’s College in Oxford berufen wurde, wo er bis 1997 im Amt blieb. 1993 wurde Dahrendorf, der 1988 die britische Staatsbürgerschaft annahm, zum „Baron of Clare Market in the City of Westminster“ mit Sitz im britischen Oberhaus ernannt. Er gilt als einer der wichtigsten Vertreter der liberalen Staats- und Gesellschaftstheorie in Europa.