Begrüßung


Der Bürgermeister und Senator für Finanzen von Berlin, Stefan Evers, erklärte beim Empfang
für die Familien der Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 und der Stiftung 20. Juli 1944
am 19. Juli 2025 um 16 Uhr unter anderem:


Herzlich willkommen im Roten Rathaus!


Es ist eine beeindruckende Tradition, dass SIE - die Familien - die Nachkommen - der Frauen und Männer im Widerstand in jedem Jahr zum 20. Juli in Berlin zusammenkommen. Und es ist beeindruckend, dass diese Tradition von Enkelinnen und Enkeln und von Urenkelinnen und Urenkeln weitergetragen wird.


Sie kommen zusammen in der Stadt, in der die Widerstandskämpfer der nationalsozialistischen Diktatur ein Ende setzen wollten, in der viele von ihnen eingekerkert wurden und in der viele Frauen und Männer des Widerstands ermordet wurden.


Heute, am Vortag des 20. Juli, kommen Sie im Kreis Ihrer Familien und Freunde zusammen. Und morgen findet das offizielle Gedenken in Plötzensee statt. Dort wird auch unser Regierender Bürgermeister Kai Wegner sprechen, der Sie herzlich grüßen lässt.


Der 20. Juli 1944 ist jetzt 81 Jahre her. Viele Widerstandskämpfer wurden noch am 20. Juli oder im August 1944 nach Schauprozessen vor dem sogenannten Volksgerichtshof ermordet. Genau
80 Jahre ist es 2025 her, dass kurz vor Kriegsende in Plötzensee, Sachsenhausen, Flossenbürg und Dachau die verbliebenen, dort inhaftierten Widerstandskämpfer und Gegner des Nationalsozialismus ermordet wurden. Darunter der Theologe Dietrich Bonhoeffer, Admiral Wilhelm Canaris, Hans von Dohnanyi, Georg Elser und Generalmajor Hans Oster.


Diese wenigen Namen zeigen, dass der Widerstand eine große Breite hatte, aus verschiedenen Teilen der Gesellschaft kam und von unterschiedlichen weltanschaulichen Hintergründen geprägt war. So waren unter den Männern und Frauen des Widerstands zum Beispiel Soldaten und Zivilisten, Menschen aus der Arbeiterbewegung und aus dem Bürgertum und auch Gläubige verschiedener Konfessionen. Ihnen und allen anderen Widerstandskämpfern und Gegnern des Nationalsozialismus werden wir ein ehrendes Andenken bewahren. Sie sind für uns moralische Vorbilder.


Auch Schülerinnen und Schüler der Partnerschulen der „Stiftung 20. Juli 1944“ engagieren sich dafür, das Andenken an den Widerstand zu bewahren und an jüngere Generationen weiterzugeben.


Sehr geehrter Herr Professor Tuchel, wie kaum ein anderer, haben Sie sich für das Gedenken an den 20. Juli 1944 eingesetzt. Sie haben unsere Sicht auf den Widerstand maßgeblich geprägt. Diesem Anliegen haben Sie Ihr ganzes bisheriges Wirken als Forscher gewidmet. Seit 1991 sind Sie Leiter der „Gedenkstätte Deutscher Widerstand“ – mit großer fachlicher Kompetenz und ebenso großer persönlicher Überzeugung. Diese Gelegenheit möchte ich nutzen, um Ihnen für Ihren jahrzehntelangen Einsatz zu danken, für Ihre herausragende Forschung, für Ihre Vermittlungsarbeit und für Ihr unermüdliches Engagement im Dienst der Erinnerungskultur.


Indem die Widerstandskämpfer des 20. Juli das Attentat gewagt haben, haben sie vor der Welt gezeigt, dass es auch ein „Anderes Deutschland“ gab - auch wenn das Attentat gescheitert ist. Diese Botschaft des Widerstands für die Nachwelt hat Generalmajor Henning von Tresckow schon 1944 formuliert: Es kommt darauf an, - ich zitiere - „dass die deutsche Widerstandsbewegung vor der Welt und vor der Geschichte unter Einsatz des Lebens den entscheidenden Wurf gewagt hat.“


Mit dieser Botschaft sind die Widerstandskämpfer im besten Sinne Patrioten. Und der Widerstand des 20. Juli ist einer der wichtigsten Bezugspunkte für das Selbstverständnis der Bundesrepublik Deutschland und für unsere Erinnerungskultur. Die Werte, für die die Widerstandskämpfer eingetreten sind und die sie in ihrem Regierungsentwurf formuliert haben, sind auch Grundlage unseres Staates. Insbesondere die Wiederherstellung der Meinungs-, Geistes-, Gewissens- und Glaubensfreiheit, die Wiederherstellung der Rechtsstaatlichkeit und die Wiederherstellung der öffentlichen und privaten Moral. Diese Werte bilden eine Brücke vom 20. Juli 1944 über unser Grundgesetz von 1949 bis in die Gegenwart. Sie sind ein Vermächtnis des Widerstands, das bis heute wirkt.


Gerade deshalb muss es eine bleibende Aufgabe unseres Landes sein, den Frauen und Männern des Widerstands nicht nur zu gedenken, sondern ihre Haltung und ihr Vermächtnis wachzuhalten – als Mahnung und als Anspruch für uns alle - für die heutigen und die kommenden Generationen.

Weitere Reden

19.07.2025
Prof. Dr. Robert von Steinau-Steinrück
Prof. Dr. Robert von Steinau-Steinrück