Rede

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Evers,
liebe Angehörige,
liebe Jugendliche und Schülerinnen und Schüler unserer Partnerschulen,
der Leinetalschule, der Klosterschule Roßleben, des Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums, des Matthias-Claudius-Gymnasiums, der Max-Ulrich-von-Drechsel-Realschule und der Tisa-von-der-Schulenburg-Schule,
liebe Gäste,


zunächst Ihnen, lieber Herr Evers ganz herzlichen Dank für Ihre Begrüßung. Wir danken Ihnen und dem Senat, dass Sie uns hier im Festsaal auch in diesem Jahr in großer Zahl empfangen und darüber hinaus an einem Samstag und dann statt abends auch schon zu Kaffee und Kuchen willkommen heißen.


Der Empfang hier im Roten Rathaus ist seit Jahrzehnten der Auftakt zu den Veranstaltungen, mit denen wir an den Umsturzversuch vom 20. Juli erinnern.


Und zu diesem Auftakt und der Tatsache, dass wir an den Versuch des Umsturzes erinnern, also etwas, das bekanntlich nicht geglückt ist, möchte ich uns einen Gedanken vor Augen führen. Er stammt von Annedore Leber und Freya v. Moltke, zwei großen Frauen des Widerstands. Sie schreiben in ihrem gemeinsamen Buch, „Für und Wider“ im Jahr 1962, dass Geschichte nicht allein aus Taten lebt, denen Erfolg beschieden ist. Das Wesen menschlicher Handlungen, die mit Opfern verbunden sind, bestehe darin, das geopferte Samenkorn zur neuen Frucht zu bringen. Deshalb hänge der Erfolg des deutschen Widerstands von den Nachlebenden ab. Er hänge davon ab, ob der Geist der Männer und Frauen des Widerstands kommende Generationen unter ganz anderen Umständen (…) gegenüber neuen Aufgaben und Problemen in ihrem eigenen Handeln zu bewegen vermag. Und wörtlich schreiben sie:


„ob nämlich der Einzelne imstande sein wird, seine persönliche menschliche Verantwortung voll anzunehmen.“


Das ist genau der Grund, warum wir uns hier jedes Jahr versammeln und an den Widerstand gegen das NS-Unrechtsregime erinnern. Wir sind die Nachlebenden und es ist unsere Verantwortung in der heutigen Zeit dem Widerstand zum Erfolg zu verhelfen.


Dem entspricht auch der zukunftsgewandte Appell von Margot Friedländer – den sie aus einer ganz anderen Perspektive, nämlich als Überlebende des Holocaust – immer wieder und zuletzt am 7. Mai diesen Jahres, zwei Tage vor ihrem Tod genau von dieser Stelle an alle gerichtet hat: „Seid Menschen“.


Der Widerstand hat sich für die Widerherstellung der Rechtsstaatlichkeit eingesetzt. Rechtsstaat und Demokratie sind unter Beschuss und müssen für die Zukunft bewahrt und verteidigt werden. Es gibt also genug zu tun.


An dieser Stelle möchte ich Ihnen, Herr Bürgermeister Evers sehr herzlich danken. Vor allem auch in ihrer Eigenschaft als Finanzsenator des Lan-des. Das Land Berlin hat seit Jahrzehnten auf vielfältige Weise die Aktivitäten der Stiftung 20. Juli und insgesamt das Erinnern und Gedenken an den deutschen Widerstand unterstützt, dieser Empfang ist ein Ausdruck davon und für diese fortlaufende Unterstützung sind wir Ihnen sehr dank-bar.


Und dann möchte ich ganz besonders dem ganzen Team der Gedenk-stätte Deutscher Widerstand danken und natürlich ganz besonders Ihnen, lieber Herr Tuchel. Ich kann mich den Worten von Ihnen, lieber Herr Evers nur anschließen. Allein die Tatsache, dass Sie seit dem Jahr 1991 Leiter der GDW und seit 1983 dort tätig sind und in all diesen Jahren immer an unserer Seite standen, spricht für sich. Exemplarisch zu Ihrer Arbeit passt auch der Titel Ihres Festvortrags, lieber Herr Tuchel nachher in der St. Matthäus-Kirche. Er lautet: “Der 20. Juli 1944 – Mythen und Fakten 80 Jahre danach.“  Es ist diese nie endende Detail-Arbeit und -Kenntnis, immer wieder auf die historischen Fakten hinzuweisen, die Menschen aufzuklären und den Verzerrungen und Verfälschungen entgegenzutreten. Und es ist eine Detail-Arbeit, die sich mit den Schicksalen von Menschen befasst und die Sie deshalb immer mit höchster Hingabe und Genauigkeit geleistet haben; darüber hinaus auch immer mit Geduld und Beharrlichkeit! Das zeichnet sie aus und dafür danken wir Ihnen von ganzem Herzen


Meine Begrüßung endet traditionell mit dem eher technischen Hinweis auf die Abfahrt der Busse um 17:15 Uhr. Diesen Hinweis betone ich besonders, weil niemand damit den Vortrag von Herrn Tuchel verpasst.


 

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19.07.2025
Stefan Evers
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